Relevanz

Warum Wissenschaftsjournalismus so wichtig ist.

Zu den klassischen Ressorts der Medien, in denen Journalisten tätig sind, gehören die Bereiche Wirtschaft und Politik, Kultur und Sport. Die Wissenschaft wird allgemein als „verspätetes Ressort“ (Hömberg: 1990) bezeichnet, dem allerdings in den vergangenen Jahrzehnten wachsende Bedeutung zugekommen ist.

Dies betrifft alle Medien und alle Sparten. So senden die Fernseh- und Rundfunkanstalten Wissenssendungen für Kinder oder Erwachsene, die Tages- und Wochenzeitschriften versorgen ihre Leser mit Beilagen oder Kolumnen zu wissenschaftlichen Themen, oder es werden Wissenschaftsmagazine herausgegeben, die zumeist auf Teilgebiete spezialisiert sind. Während also manche Tageszeitung mit dem Überleben kämpft, nimmt die Zahl der wissenschaftsjournalistischen Publikationen – zumindest in Deutschland – zu. Und wo einstmals die Ressorts Wirtschaft, Sport, Politik oder Lokales um die Titelzeilen kämpften, übernahmen souverän die Nachrichtenmacher aus dem Ressort Wissenschaft. Ganz eindeutig ist eine Umgewichtung erfolgt, die sich zunächst aus den Besonderheiten der Themenwahl und deren Bedeutsamkeit für alle Lesergruppen erklären lässt.

Ohne Zweifel sind Politik und Wirtschaft nicht minder wichtig für das Verstehen der modernen Lebenswelt als wissenschaftliche Themen. Doch ergibt sich die Bedeutsamkeit des Wissenschaftsjournalismus aus dem Umstand, dass die wissenschaftliche Forschung und Entwicklung sich immer stärker mit dem Alltag aller Bevölkerungsgruppen verzahnt. Ernährung und Gesundheit, Lebensmittelproduktion, Landwirtschaft und Tierhaltung, Ökologie und Umweltschutz, wirtschaftliche und technologische Entwicklungen sowie politische Maßnahmen – all dies lässt sich nur verstehen und an all dem lässt sich nur mehr teilhaben, wenn die dahinterstehenden wissenschaftlichen Konzepte vermittelt und verstanden werden. dreamstime_xs_32449983Darüber hinaus zeigen viele Rezipienten aber auch von sich aus ein großes Interesse an wissenschaftlichen Themen; die einen sind fasziniert von Naturphänomenen oder neuen technologischen Entwicklungen; die anderen betrachten die Teilhabe am Kenntnisstand der Wissenschaft als unabdingbar, um sich innerhalb einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft zurechtzufinden. Fehlendes Wissen wird dagegen mit Inkompetenz gleichgesetzt.

Das große Interesse an wissenschaftlichen Themen wird weiter dadurch gestärkt, dass die Wissenschaft selbst in gewissem Maße Event-Charakter angenommen hat. Etwa wenn Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert oder Preisverleihungen vorgenommen werden; wenn technologische Fachmessen zum Massenevent werden oder Liveübertragungen aus dem Geburtssaal, vom OP-Tisch oder vom Startpunkt der neuen Raumsonde ausgestrahlt werden.