Wächter und Kritiker

Wissenschaftsjournalismus als Risikokommunikation und Meinungsbildner

Wissenschaftsjournalisten betrachten sich als Vermittler zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, aber auch als Wächter und Kritiker. Entsprechend geben sie Informationen nicht einfach weiter, sie bewerten und kommentieren auch, geben ethische Urteile ab, diskutieren mit ihren Lesern oder geben diesen eine Plattform, um ihre Meinung zu äußern. Erdbeben, Klimaerwärmung, Epidemien, Unfälle in Kernkraftwerken … vieles, was gegenwärtig die Schlagzeilen bestimmt, lässt sich ohne entsprechendes Hintergrundwissen kaum einordnen. dreamstime_xs_20439859Sind Massenimpfungen gegen Grippe sinnvoll? Richten Genmanipulationen an Nahrungsmitteln großen Schaden an oder werden sie zukünftig dazu beitragen, den Hunger auf der Welt einzudämpfen? Was sind die Chancen und Risiken von Organtransplantationen? Ein Großteil dessen, worüber Wissenschaftsjournalisten berichten, lässt sich unter dem Stichwort der „Risikokommunikation“ zusammenfassen. Dabei handelt es sich um Themen, die in der Öffentlichkeit regelmäßig von starken, emotional aufgeladenen Debatten begleitet werden. Aufgabe des Wissenschaftsjournalisten ist es, Informationen auszuwählen, die eine Diskussion auf der Grundlage von Fakten ermöglichen. Die Darstellung muss daher in der Regel deutlich detaillierter und tiefer gehender sein, als dies im Nachrichtenwesen sonst der Fall ist. Zwar wird eine völlig neutrale und objektive Berichterstattung auch im Wissenschaftsjournalismus die Ausnahme darstellen. Bedeutend ist aber, dass sie Wissenschaftsjournalisten wie ihre Kollegen aus anderen Ressorts dem Pressekodex verpflichtet fühlen.